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Im Trend: Social Media

Immer mehr Menschen finden in sozialen
Netzwerken ihre Heimat (wieder)

Facebook, Twitter, Instagram und Co. bieten Nutzen und Risiken – und die werden heiß und ausgiebig diskutiert. Für manchen indes sind soziale Netzwerke das beste Band in die Heimat. Und auch wer jahrzehntelang nicht zu Hause war, kann online an den Sehnsuchtsort der Erinnerungen zurückkehren.

Rund 32,5 Millionen Einträge verzeichnet Google für »Heimat«. Es gibt also jede Menge Menschen, die danach suchen. Die Algorithmen-Jukebox fördert die ganze Bandbreite der Definitionen zutage – von wohlig bis widerwärtig. Wie viele Menschen damit gleichzeitig ein Lebensgefühl reproduzieren wollen, lässt sich schwer sagen.

Sieht man sich aber die Einrichtung schicker Läden und hipper Kneipen in den Innenstädten an, kann es nicht hemdsärmelig genug zugehen. Craft Beer Stores schießen in Oldenburg und Bremen wie Bier-Pilze aus dem Boden. Langbärtige, tätowierte Karohemdenträger schreinern hier wie dort Einwegpaletten zu Designertischen. Omas Einmachgläser werden nun mit Taboulé statt Quittengelee befüllt. Und sogar deren Kaffeekränzchen wird recycled: Bei Käthe Kaffee Oldenburg gibt’s Specialty Coffee und Superfood. Schanze und Kreuzberg sind überall – auch im Nordwesten.

Wen es allerdings in die Ferne zieht, weil die Wildnis ruft oder ein neuer Job, der findet sich nicht selten in Netzwerken und Foren seiner Heimatregion wieder. Die zu Abiturzeiten noch als piefig empfundene Lokalzeitung wird online zum Anker in die Vergangenheit: Wo stehen meine Jungs aus der 2. Herren in der Kreisklasse? Gibt’s auf dem Kramermarkt noch die Wilde Maus? Ach, die alte Hobbiesiefken unterrichtet immer noch? Brennende Fragen, die sich auch in Cupertino, Brisbane und Qingdao schnell beantworten lassen.

Mancher mag seine Herkunft nicht verleugnen: Bundestagsabgeordnete aus dem Nordwesten treffen sich zu Baskets- und VfB-Stammtischen in Berlin, Sportpferde unserer Region sind in aller Welt preisgekrönt und die Milch der Marke »Oldenburger« ist als Exportartikel in China hochgeschätzt. Ein kleines Stück Heimat in den Händen zu halten – was will man mehr? Auch wenn es nur ein Tetra Pak ist.

der Autor

Jannes Vahl

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

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